Das Zukunftsdorf Waldhof

geschrieben von Daniel

Ein riesiges Projekt. Eine krasse Vision. Ein wunderschöner Ort. Der Waldhof.

Am Rande von Hessen gelegen und mitten im Wald, ist dieser Ort wirklich einen Stopp wert gewesen. Die Menschen, die hier leben, haben uns in ihre Mitte aufgenommen und uns ein bisschen angesteckt. Angesteckt mit dem, was hier entstehen soll.

5 Wochen waren wir hier am Waldhof und durften eintauchen in die Magie dieses Ortes.

Dieses Gefühl, mit dem wir hier angesteckt wurden, nenne ich den „Waldhof-Vibe“ oder das „Waldhof-Feeling“. Es entsteht durch zwei krasse Pole. Ein Pol ist das ambitionierte Projekt und die scheinbar endlosen Möglichkeiten am Ort, durch die man pausenlos inspiriert wird etwas aufzubauen. Der andere Pol entsteht durch rationale Betrachtung den aktuellen Standes des Projektes und der gefühlt nicht zu bewältigenden tatsächlichen Arbeitsschritte, die nötig sind, um das Ziel, die Vision, tatsächlich zu erreichen – ein Gefühl von Chaos und Überforderung.

Was hier genau entstehen soll und wie es hier aktuell aussieht, das möchten wir euch in diesem Artikel zeigen. Lesen lohnt sich! Der Waldhof lohnt sich! 🙂

Inhaltsverzeichnis

Das ist der Waldhof

Der Waldhof ist ein ehemaliges Klinikgelände, das sich in West-Hessen an der Grenze zu Rheinland-Pfalz befindet. Hier könnt ihr euch den Standort bei Google Maps angucken. Das Gelände liegt nur 5 Minuten vom Bahnhof Katzenfurt entfernt, der ebenfalls nur 5 Minuten von der A45 entfernt ist. Die Anbindung ist also eigentlich ein Traum, leider fährt der regionale Bus nur noch 2x am Tag hier her, da das Klinikgelände seit 2022 nicht mehr genutzt wird.

Genutzt wird es schon noch, nur nicht mehr im Klinikbetrieb, sondern von einer Gemeinschaft von rund 25 ambitionierten erwachsenen Menschen und 9 Kindern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus dem wunderschönen Gelände der ehemaligen Lungenheilklinik mitten im Wald wieder einen Ort der Begegnung und der Heilung zu machen.

Mehr erfahren könnt ihr auch auf der Internetseite: https://zukunftsdorf-waldhof.de/

Das Gelände ist groß und beinhaltet 11 Gebäude, von denen eines das große, ehemalige Klinikgebäude ist. Die Bausubstanz hat es wirklich in sich, denn manche Gebäude sind bald 100 Jahre alt (Die Kapelle sogar ca. 500) und ein längerer Sanierungsstau macht einige der Häuser unbewohnbar.

Dennoch hat der Ort einen Charme und eine Schönheit an sich, die einen dazu bewegt zu verweilen und zu schwelgen in Visionen und Ideen, was hier alles entstehen könnte, in dieser Oase mitten im Wald. Die alte Klinik, in der schon tausende Menschen Genesung und Erlösung finden durften, gibt dem Ort den perfekten Charakter, um wieder ein Ort der Heilung zu werden. (Wenn ihr auf der Internetseite ganz nach unten scrollt findet ihr eine Drohnenaufnahme vom Waldhof von oben – sehr sehenswert.)

Wir sind damals zu einem Info-Café an den Waldhof gekommen und haben uns direkt in die wunderbare Umgebung verliebt. Gefühlt mitten im Wald, aber praktisch nur 5 Minuten zum nächsten Bahnhof und auch Städtchen wie Wetzlar und Herborn sind relativ nah (alles vorausgesetzt, es gibt ein Auto).

Die Vision vom Waldhof

Die Vision des Ortes hat es in sich und lässt die Herzen vieler Menschen, die nicht nur Spaß an ambitionierten Projekten haben, sondern auch noch etwas sinnvolles beitragen wollen, wirklich höher schlagen.

Die Idee ist es, aus dem gesamten Gelände eine Kombination aus einer Lebensgemeinschaft und einem ganzheitlichen Heilort zu machen. Es soll Platz geben für Kurangebote, für Visionsreisen, für alternative und ganzheitliche Heilungsansätze, für eine Hausarztpraxis auf dem Land, für psychotherapeutische Angebote, und und und… Die Ideen sprießen förmlich aus einem heraus wenn man einfach nur durch den Ort spaziert.

Dabei soll dieser Ort keinem Unternehmen unterstehen, welches Gewinne abschöpfen will, sondern am Waldhof soll die ganzheitliche Heilung des Menschen an erster Stelle stehen. Eine Mentalität, die in der durchökonomisierten Medizinwelt auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Das ist der eine Teil des „Waldhof-Vibe“. Schier unendliches Potential aus Stein und Beton, was mit Leben gefüllt werden will und sich ständig wandelt.

Doch damit ist die Vision noch nicht komplett. Der ganze Ort soll ökologisch saniert und mit einem nachhaltigen Stoffstromkonzept ausgestattet werden, damit Wärme und Energie nicht mehr aus fossilen Quellen stammen. Weiterhin soll es eine Solawi geben, die sowohl die Gemeinschaft als auch, sofern sie weiter wachsen kann, Bürger*innen im Umland sowie Heilort und Seminarbetrieb versorgen kann.

Moment – Seminarbetrieb? Ach ja richtig 😉 Ein Ort, an dem so ganzheitlich geheilt und gelebt werden kann hat natürlich den Auftrag, seine Erkenntnisse nach Außen zu tragen. So soll das sog. „Bunte Haus“, was aktuell zum Bewohnen genutzt wird, später mal zu einem Seminargebäude werden, wo die Gemeinschaft und Mitwirkende Seminare abhalten können, um die Region und auch die gesamte Außenwelt zu inspirieren mit Themen rund um ganzheitliche Gesundheit, Gemeinschaftsleben, Kunst, Kultur, etc.

Kunst und Kultur? Ja, genau… das gibt es ja auch noch. Kunst- und Kulturangebote sollen hier ebenfalls einen Raum finden können.

Wenn ich das so schreibe und reflektiere, dann merke ich, was die Menschen hier vorhaben und wie riesig das ist und wie viel Arbeit da drin steckt sowas auf die Beine zu stellen… und dann kommt der andere Teil des „Waldhof-Vibe“ zum Tragen: Das Gefühl des Erschlagen-seins und der Überforderung.

Wie können Menschen aus dem aktuellen Zustand, wo es durch Decken regnet, Häuser kaum isoliert sind, eine Ölheizung riesige Mengen fossiler Energie verschlingt und im Winter lediglich die eigenen Zimmer warm sind etwas derart transformierendes erschaffen, ohne dabei völlig auszubrennen? Wer soll das bezahlen? Wo fängt man eigentlich an??

Diese Bipolarität am Waldhof, der „Waldhof-Vibe“, macht dieses Projekt so spannend – auch für uns.

Auch wir spüren den Ruf des Herzens, den Ruf etwas so Sinnvolles zu gestalten und gleichzeitig das große STOPP im Kopf, das der Verstand sendet: Wie zur Hölle soll das klappen?

Am Waldhof zählt vor allem ein Grundsatz: Eine Mauer baut man Stein für Stein… immer einen Stein nach dem anderen. Und am Ende kommt hoffentlich etwas raus, was der Vision so nahe wie möglich kommt. Das wünschen wir uns sehr für die wirklich tollen Menschen an diesem Ort, die sich durch die Herausforderungen nicht abschrecken lassen.

So beschreiben die Waldhöfler ihre Vision: https://zukunftsdorf-waldhof.de/vision/

Die Menschen am Waldhof

Eigentlich waren Elsa und ich ja schon klar in dem Punkt, dass Gemeinschaften mit großer Altbausubstanz und Wachstumszielen, die gegen 60 oder 70 Mitglieder gehen, von unserer Liste fliegen. Einfach zu viel Arbeit, zu groß… wir suchen schließlich auch nach einem Leben mit etwas Ruhe und nicht nach einem Platz, wo neben der Arbeit auch noch der Freizeit-Burnout lauert.

Und dennoch sind wir hierher gekommen, wegen der Menschen. Als wir beim Kennenlern-Café erzählt haben, dass wir gern gegen das Stellen einer Wohnung oder eines Zimmers einige Stunden am Tag mit anpacken können und einige Wochen bleiben können, war das neu am Waldhof – und am Anfang sehr skeptisch gesehen.

Aber die Menschen hier haben unseren Vorschlag diskutiert und es möglich gemacht, dass wir 5 Wochen hier sein durften. Wir durften mit den anderen Annäherern im „Bunten Haus“ wohnen und haben uns sofort als ein Teil der Gemeinschaft gefühlt.

Die Menschen hier haben wir als sehr offen und herzlich erlebt. Wie auch in allen anderen Gemeinschaften sammeln sich hier Menschen, die sowohl ihren Lebensunterhalt verdienen als auch eine Familie managen, Freunde und Hobbys haben und nebenbei dieses Projekt aufbauen – irre. Wie machen die das?

Was hier sehr ungewöhnlich ist: Es sind viele Ärzt*innen vor Ort, denn der Verein Medizin und Menschlichkeit hat diesen Ort entdeckt und dafür gesorgt, dass die Vision hier entstehen kann. Es gibt im ländlichen Raum, schätze ich, nur wenige Orte, wo so viele Mediziner auf einem Raum zusammenleben. Ein Lotto-Gewinn für die Gemeinde, was sie wohl leider noch nicht ganz erkannt hat (Politik halt…).

Mit der Zeit kamen aber auch andere hinzu aus verschiedenen Branchen, die sich mit Menschen und Vision verbinden konnten. Der Altersschnitt ist relativ jung, auch wenn es auch erfahrenere Bewohner und Bewohnerinnen gibt. Im großen und ganzen wirkt die Gemeinschaft aber bodenständig und realistisch, was uns fast schon verrückt vorkommt, wenn wir uns selbst mit unseren eigenen Gefühlen der Überforderung konfrontiert sehen was das Projekt angeht.

Doch das ist es auch, was diesen Ort faszinierend und anziehend macht: Die Menschen. Keine verträumten Hippies oder frustrierten Gesellschaftsflüchtlinge, sondern Menschen, die diesen Ort Stück für Stück aufbauen und im Dschungel der deutschen Rechtsformen langsam aber stetig voranschreiten – bodenständig halt. Und offen und freundlich 🙂

Wir haben uns hier menschlich sehr wohl gefühlt! Danke liebe Waldhöfler.

So fühlen wir uns hier

Vom bipolaren Waldhof Gefühl, dem „Waldhof-Vibe“ habe ich ja bereits geschrieben.

Ich konnte feststellen, dass ich beim Laufen über das Gelände immer wieder davon inspiriert wurde. Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn man bei Ausflügen über das eigene Grundstück Dinge finden kann, von denen keiner wusste, dass es sie gibt.

Das fängt damit an, dass wir bei einer Ausräumaktion in der alten Klinik Bilder gefunden haben, die wir dann in unserem Raum aufhängen konnten. Kaufen braucht man nichts, man muss nur suchen: ein bisschen wie in einem Post-Apokalypse Computerspiel, wo man durch die Gegend streift und nach nützliche Dingen zum Überleben sucht 😀

Die meiste Zeit habe ich mich aber sehr wohl gefühlt und konnte den täglichen Herausforderungen sehr positiv entgegenblicken. Außerdem hatten wir auch immer das Gefühl, dass auch „hinter den Kulissen“ viel passiert.

Viel Projektarbeit findet einfach auch noch am PC statt, während wir mehr Hands-On unterwegs waren. Es wurde in der letzten Zeit eine GmbH gegründet, jetzt wird eine Stiftung gegründet, das soziokratische Modell wurde umgebaut und den Anforderungen angepasst, etc. etc.

Auch das Herannahen der dunklen und nassen Jahreszeit hat sich hier irgendwie wenig beengend angefühlt. Im Haus wird es zwar spürbar kälter, aber es ist genug Platz und es ist auch einfach gemütlich, wenn draußen der Regen fällt und man gemeinsam mit acht Leuten beim berühmten „Bunten Haus Dinner“ sitzt oder in der hauseigenen Sauna schwitzt 🙂

Wir haben hier im Garten mitgeholfen und weiterhin 3 renovierungsbedürftige Räume mit Lehm verputzt bzw. gestrichen. Das war teils schon harte Arbeit, aber die meiste Zeit ging es uns einfach gut und ich habe gemerkt, dass ich gerade einfach viel Kraft habe und diese gern eingesetzt habe!

Allgemein kann ich sagen, dass ich mich am Waldhof die allermeiste Zeit sehr wohl gefühlt habe. Es kam auch sehr viel Wertschätzung und Offenheit von der Gemeinschaft zurück, was auch sehr schön war. Ich bin sehr dankbar für die Zeit.

Außerdem ist im Waldhof auch etwas Neues und Wunderbares entstanden. Elsa hat ihren ersten Online-Yogakurs gegeben und wir haben das erste Mal mit dem ganzen Equipment gearbeitet. Dazu durften wir den Meditationsraum im Waldhof nutzen und alle Gemeinschaftsmitglieder waren eingeladen mitzumachen!

Jetzt beginnt für Elsa eine wunderbare Reise. Wenn ihr unterstützen und/oder mitmachen wollt, dann schaut doch mal bei Elsa vorbei: Elsas Blog.

Hier gibt es immer wieder News zu neuen Ideen und Programmen. Außerdem könnt ihr Elsa auch bei Youtube finden: Halfmoon Yoga by Elsa und auch bei Instagram:

Den Waldhof fördern – werde Teil von etwas Sinnvollem

Natürlich kann die Gemeinschaft den Waldhof nicht aus privaten Finanzen und Kräften aufbauen und stützen, daher ist sie auch auf Geld und praktische Mithilfe von Außerhalb angewiesen.

Falls du Lust hast und dich für das Projekt interessierst, dann schau doch mal hier vorbei: https://zukunftsdorf-waldhof.de/foerdern/

Hier kannst du den Förderverein oder die neu gegründete Bürgerstiftung (ab 13.11.) unterstützen, Mitglied werden oder sogar mal vorbeikommen und mithelfen. Dann hast du auch die Chance dich vom „Waldhof-Vibe“ verzaubern zu lassen 🙂

Danke für deine Unterstützung 🙂 Hier ist dein Geld und deine Mithilfe auf jeden Fall gut aufgehoben!

Fazit und Ausblick

Alles in allem war die Zeit am Waldhof für uns eine Zeit, in der wir von uns selbst überrascht wurden. Überrascht davon, dass, entgegen der Erwartungen wegen der Größe des Projektes, wir uns mehr als wohl gefühlt haben und wir nicht erschlagen wurden.

Das Projekt am Waldhof baut sich Stein für Stein und viele Dinge sind in Bewegung, die man nicht alle voraussagen kann und auch nicht sollte. Für sicherheitsfanatische Menschen ist das sicher nichts, aber für Menschen, die träumen können und unsichere Zeiten aushalten ist es hier echt toll – nicht zuletzt, weil auch die Menschen hier wirklich toll sind ❤ . Und da man nicht wissen kann, welche Träume hier wahr werden, ist es ein absolut spannender Ort in einer spannenden Phase.

Wir kommen bestimmt nochmal wieder! Wie und wann wissen wir aber noch nicht.

Jetzt geht es dann Richtung Portugal. Ohne Flugzeug, sondern per Camper mit einem netten Freund, den wir über die Dru-Community kennengelernt haben. 4 Tage Roadtrip, 2200km. Ein kleines Abenteuer! Und wir freuen uns schon.

Bis bald, dann aus Portugal!

3 Antworten zu „Das Zukunftsdorf Waldhof”.

  1. […] Und nun zuletzt, 5 Wochen im Zukunftsdorf Waldhof. Inklusive Zeit für meinen Online-Yogakurs 🙂 (Artikel zum Waldhof: Das Zukunftsdorf Waldhof) […]

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  2. […] In diesen zwei Monaten haben wir uns als kleine Kerngemeinschaft bereits zweimal in der Gemeinschaft Zukunftsdorf Waldhof getroffen – eine Gemeinschaft, wo wir letztes Jahr knappe 5 Wochen verbracht haben und die uns nie losgelassen hat. Mehr dazu lesen könnt ihr –> HIER. […]

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  3. […] haben es geschafft, zu 5. als kleine Gemeinschaft die Möglichkeit zu haben einen Monat im Zukunftsdorf Waldhof zu verbringen – da waren wir letztes Jahr (2023) für fünf Wochen und uns sind vor allem die […]

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