Ein halbes Jahr unterwegs

geschrieben von Elsa

Ein halbes Jahr – 6 Monate… Klingt irgendwie lang und kurz gleichzeitig. Aber wenn ich darauf zurückschaue, kommt es mir definitiv lang vor! Und kurz. Kurzweilig. So viel ist passiert, so viel haben wir erlebt. In gerade einmal einem halben Jahr. Schon einem halben Jahr.

Inhaltsverzeichnis

Die Stationen

Wir haben vor Beginn der Reise ein paar Stationen geplant, um nicht völlig blauäugig loszugehen. Um den Sicherheitsfanatikern in uns selbst einen Anhaltspunkt zu geben, sie ein bisschen zu beschwichtigen.

Begonnen hat alles mit zwei Wochen Urlaub. Eine Städtereise, auf dem Weg zur ersten Station in Nordwales. Utrecht, Calais, Dover, Bath, Cardiff und Bangor. Das waren unsere Stopps. Eine aufregende Zeit, ein bisschen unbeschwert, ein bisschen stressig. Sehr viel Kultur. Viel aus- und wieder einpacken. Ein ständiges Ankommen und Weiterziehen.

Das haben wir dann auch recht schnell gemerkt. Bzw. gemerkt, dass das gerade nicht das Richtige ist. Da war diese innere Unruhe, das Ankommen-wollen. Endlich mit dem „Sinn“ unserer Reise loslegen.

Und los ging es: mit 6 Wochen Dru in Wales. Was für ein Einstieg. Was für eine Zeit. (Hier geht´s zu den Artikeln von damals: Willkommen bei Dru, Vorläufiges Fazit zu Dru)

Jetzt im Nachhinein bin ich so froh, dass wir genau dort angefangen haben. Es war ein deep dive in meine Spiritualität, in mein Weltverständnis. So wertvoll, so bunt, so anders. So herzlich. Die Zeit dort hat uns weiterbegleitet, teils ganz handfest, durch den Austausch mit einigen Menschen, die wir dort kennengelernt haben, aber vor allem im Geiste. Wir haben Rituale mitgenommen, eine kleine Meditationspraxis, die im täglichen Leben, egal, wo wir gerade sind, einen Anker bietet.

Nach der Ankunft zurück in Deutschland haben wir direkt ein Infocafé des Zukunftsdorfs Waldhof besucht. Auch hier waren die Menschen sehr offen und vor allem in so einer Möglichmacher-Laune. Das hat uns gecatcht und schlussendlich haben wir uns dazu entschieden später im Jahr dort vorbeizukommen.

Erstmal standen dann aber fast zwei Monate beim Hof Sonnenwald im Schwarzwald an, unterbrochen vom Ecovillage Gathering. Ein Kontrast zu Dru, aber auch hier mit vielen Lernerfahrungen und Begegnungen verbunden. (Artikel dazu: Ökodorf und Gemeinschaft Sonnenwald, Vorläufiges Fazit zum Sonnenwald)

Kurzentschlossen haben wir unseren Aufenthalt dort um eine Woche verkürzt und diese dann auf einer Mitarbeitswoche im Ökodorf Sieben Linden verbracht. Hier sind wir tief in die Möglichkeiten eines wirklich nachhaltigen Lebens eingetaucht (siehe den Artikel: Eine Woche in Sieben Linden). Mein Fazit dazu war erstmal dieses: wenn für mich der höchste Wert im Leben ist, ein nachhaltiges Leben zu führen, dann muss ich eigentlich dorthin. Ganz schön krass. Das wirft Fragen auf, bzw. lädt dazu ein, die eigenen Werte und Vorstellungen vom Leben nochmal genau zu prüfen.

Und dann? Pause. Oder so was Ähnliches 😀

Auf jeden Fall war ich für einen knappen Monat bei meinen Eltern und Daniel bei seiner Familie. Unterbrochen war das Ganze von privaten Unternehmungen. Bei mir stand ein Bootcamp von Chinkilla an und eine Yogaweiterbildung im Allgäu. Ein Monat also für Familie, eintauchen in weibliche Energien, erleben von Zusammenhalt und weiblicher Power. Ein Zurückkommen zu mir. Das habe ich nach den ganzen Gemeinschaftserfahrungen gebraucht.

Bei Daniel stand neben der Familie vor allem der Vipassana-Retreat auf dem Plan.

Und nun zuletzt, 5 Wochen im Zukunftsdorf Waldhof. Inklusive Zeit für meinen Online-Yogakurs 🙂 (Artikel zum Waldhof: Das Zukunftsdorf Waldhof)

Exkurs Yoga

Während dieser Zeit habe ich neben den Gemeinschaftserfahrungen auch ein bisschen an meinem Yogaweg gefeilt. Ich habe mich getraut, die ersten Videos hochzuladen und den ersten Online-Kurs anzubieten und einen Kurs für die Rauhnächte geplant. Das fühlt sich so schön an. Ich habe das Gefühl, dass ich durch unsere Reise endlich die mentale Freiheit habe, mich dort so reinzuarbeiten, dass ich mit dem Ergebnis, das ich euch präsentiere, einigermaßen zufrieden bin. Es ist lange nicht perfekt. Wenn ich mir das erste Video auf meinem Youtubekanal anschaue sehe ich viiiel Verbesserungspotential. Aber ich habe es gemacht. Und es macht mir Spaß. Und ich hoffe, dass es denjenigen, die es nutzen, einen Mehrwert bringt. Dass ich dadurch ein bisschen Ruhe und Gelassenheit und ein bisschen Körpergefühl vermitteln und weitergeben kann.

Wie geht es uns, wie geht es mir jetzt?

Puh, das kommt wahrscheinlich ein bisschen drauf an, wann du mich fragst. 😀

Insgesamt geht es mir super. Wenn ich auf die Zeit zurückschaue, dann habe ich so viele wertvolle, schöne, spannende und bewegende Erinnerungen gesammelt, wie noch nie (wahrscheinlich muss ich das auf mein Erwachsenenleben beschränken). Es gab sehr tiefe Momente, und auch ein bisschen Alltag. Und viele Schritte aus meiner Komfortzone heraus. Auch mal Tage, an denen ich innerlich nicht mehr mit kam, mich zurückgezogen und wieder gesammelt habe. Neu kalibriert. Und mich dann wieder aus meinem Schneckenhaus heraus getraut habe. Für mehr Erfahrungen. Erfahrungen wie Frauenkreise, Schwellengang, WG-Küchenleben, Tanzen und am Lagerfeuer singen. Bäume schneiden, mit Lehm arbeiten, im Garten pflanzen.

Fazit ist also, es war ein halbes Jahr mit Höhen und Tiefen. Mit hohen Höhen und tiefen Tiefen. Wäre das anders gewesen, wenn wir in Job und Wohnung geblieben wären? Vielleicht nicht. Höhen und Tiefen hätte es auch gegeben. Aber das gleiche Wachstum? Die gleiche Freude und Freiheit? Das Gefühl, auf dem Lebensweg einen gar nicht mal so kleinen Schritt getan zu haben? Vielleicht nicht.

Ich bin so stolz und froh und glücklich, dass wir jetzt genau hier stehen. Auch wenn da natürlich immer mal Zweifel kommen. Unsicherheit hochkommt. Vertun wir hier Zeit? Sollten wir nicht stattdessen Geld verdienen? Führt das zu etwas lang anhaltendem, etwas Sicherem?

Ich weiß es nicht. Aber jetzt gerade ist genau das hier das Richtige.

Hinter uns liegen 6 Monate, vor uns noch so viel mehr. Neben den Erfahrungen nehmen wir vor allem die Begegnungen mit. Mit Menschen, die zu Freunden werden, zu Vorbildern.

Kommentar von Daniel:

Ich habe aktuell das Gefühl, dass in mir immer wieder tiefe und oberflächliche Themen umgewälzt werden und sich Dinge neu ausrichten. Mein Inneres habe ich in den letzten Wochen am besten mit einem Bild aus den Harry Potter Romanen beschrieben: In Hogwarts (der Zauberschule) gibt es im Gebäude Treppen, die sich verschieben können, um dann an einem anderen Eingang zu enden als vor der Bewegung. In mir verschieben sich gefühlt auch ständig diese Treppen, die dann zu neuen Gedanken, Möglichkeiten, Menschen, Visionen etc. führen. Ich bin in einer Zeit des Träumens und der Freiheit, in der vieles möglich scheint und ich gleichzeitig häufig von der Fülle überfordert bin.

Gar nicht selten stresst mich diese Zeit aber auch im Hinblick auf das Gefühl, endlich irgendwo ankommen zu wollen, sesshafter zu werden und mich dauerhaft für einen Lebensentwurf zu entscheiden. Eine innere Unruhe. Stress. Außerdem gibt es auch in mir die Unsicherheit aufgrund unseres Lebensstils, in dem wir aktuell unser angespartes Geld ausgeben, ohne das etwas neues rein kommt.

Aber ich habe in letzter Zeit auch die Inspiration bekommen, wie es denn ist, diese Gefühle, egal ob angenehm oder unangenehm, einfach zu spüren, ohne etwas tun zu müssen. Warum ist es so schlimm, sich unsicher zu fühlen? Warum muss ich unbedingt etwas tun, wenn ich mich gerade etwas entwurzelt fühle? Geht mir nicht ein wesentlicher Teil der Reifung und Selbsterfahrung dieser Reise verloren, wenn ich nicht lerne diese Gefühle als Teil des Lebens zu akzeptieren, ohne gleich etwas tun zu müssen? Vor allem dann, wenn ich mich ja bewusst für dieses Leben entschieden habe…

Seit ich mein Empfinden so betrachte fühle ich mich viel Verbundener mit mir selbst, da ich nicht kämpfen oder korrigieren muss. Ich darf mich ganz hingeben und alles annehmen, was das Leben gerade bringt. Und das ist ein sehr reichhaltiger, lebendiger und schöner Cocktail aus Erfahrungen, für die ich unglaublich dankbar bin.

Für mich hat diese Reise bisher gezeigt, dass es tolle Möglichkeiten gibt, anders zu leben als es der Standard ist, andere Menschen zu treffen als die, die ich in meinem „alten Leben“ getroffen habe und dass es überall Potential gibt zu wachsen und sich für sinnvolle Dinge zu engagieren. Für mich ist die Reise eine super Entscheidung gewesen.

Was haben wir bisher gelernt?

Wenn ich versuche zu vergleichen, welche Fragen ich vor der Reise hatte, und welche Antworten ich bisher gefunden habe, dann kommt dabei etwa das hier raus:

  • Ein Leben in Gemeinschaft fühlt sich für mich sinnvoll an. Es bietet großes Potential auf der Ebene der Ressourcenschonung, aber vor allem auf den Ebenen der Zwischenmenschlichkeit und des persönlichen Wachstums.
  • Ein Leben in Gemeinschaft fordert mich heraus – jeden Tag. Da schließt sich die Frage an: Will ich das? Bin ich dafür bereit bzw. möchte ich das ernsthaft und langfristig wagen? Ich glaube ja.
  • Gemeinschaft ist nicht gleich Gemeinschaft. Es gibt gewaltige Unterschiede in der Ausrichtung, der Wohnform, den Menschen. Hier gilt es, eine Gemeinschaft zu finden, die auf unsere Bedürfnisse und Wertvorstellungen passt. Und natürlich eine, wo wir uns mit den Menschen auf eine Art verstehen, die es ermöglicht, auch in Konfliktsituationen auf Augenhöhe zu Lösungen zu kommen.
  • Eine Gemeinschaft bedeutet zwar Aufgabenteilung, dennoch haben wir gelernt, dass es deutlich mehr Arbeit macht in einer Gemeinschaft zu leben als außerhalb. Eine Gemeinschaft braucht nicht nur viel zwischenmenschliche Arbeit, sondern auch gemeinschaftliche Arbeit (z.B. Entscheidungen treffen) und viel ehrenamtliches Engagement für gemeinsamen Besitz und gemeinsame Aktivitäten.
  • Es gibt für mich „non-negotiables“:
    • ich möchte an keinem Ort leben, der kommerzielle Tierhaltung betreibt, auch nicht Vorzeige-Bio-Haltung
    • mir ist es wichtig, nach nachhaltigen Prinzipien zu leben und Entscheidungen danach auszurichten (das betrifft für mich auch das „Privatleben“ außerhalb der Gemeinschaft)
    • ich brauche Rückzugsmöglichkeiten
    • ich möchte in einer Gemeinschaft leben, die eine gemeinsame (sinnvolle) Vision verfolgt

Klingt jetzt irgendwie nach vielen Anforderungen, aber hey, es geht um mein Lebenskonzept, da darf ich ein paar Ansprüche stellen 😉

Und wie geht es jetzt weiter?

Ja, wie geht es jetzt weiter. Ein halbes Jahr ist um, ein weiteres wartet und will gefüllt werden. 🙂

Wir planen gerade bis Weihnachten. Denn Weihnachten muss Zuhause gefeiert werden, da führt kein Weg dran vorbei. Da bin ich konservativ. Das ist Familienzeit. Die ist nämlich zwischendurch manchmal etwas zu kurz gekommen.

Wir planen, bis dahin im Süden zu sein. In Portugal. Es steht nochmal ein spiritueller deep dive an, gemeinsam mit Dru und dann für einen Monat bei einer Wwoofing-Stelle.

Bleibt gespannt, so wie wir es sind und haltet die Augen offen, für den nächsten Beitrag, der ins Mail-Postfach getrudelt kommt.

Und wenn du Lust hast, dann schau dir doch auch mal DEIN letztes halbes Jahr an. Welche Erfahrungen hast du gemacht? Welche Komfortzone verlassen, welche Menschen kennengelernt?

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