Das Leben ist oft hektisch. Die Gedanken sind oft einen Schritt voraus und lassen wenig Raum für Klarheit und Ruhe. Im Gegensatz dazu wird im Yoga immer wieder von „Erdung“ gesprochen, von loslassen. Warum? Und geht das wirklich nur im Yoga auf der Matte? Hier kommt mein Ansatz dazu.
Das bedeutet Erdung für mich
Für mich bedeutet Erdung einen Schritt zurückzutreten von meinen Gedanken. Von der erzeugten Realität meines Geistes. Von der scheinbaren Dringlichkeit und Hektik der Außenwelt. Ins Spüren zu kommen. In die Verbindung zu gehen. Und das ganz still und leise. Das muss von außen noch nicht einmal sichtbar sein. Denn es geht um meinen inneren Zustand.
Für mich bedeutet Erdung außerdem, an einen inneren Punkt zu gelangen, von dem aus ich der Welt sicher und in Ruhe begegnen kann. An einem inneren Ort Sicherheit zu spüren.
Vom Gedankenkarussell zu Momenten der Ruhe und Verbindung
Ich verliere mich regelmäßig in der Geschäftigkeit des Lebens und besonders gern in meinen Gedanken. In meinem Kopf geht es oft rasant zu, viele Gedanken sind gleichzeitig aktiv, schnell biege ich auch in einen Strudel ab, in eine Sorgenspirale. Zukunftsängste wechseln sich ab mit Analysen von vergangenen Interaktionen. Muster von nicht sehr hilfreichen Glaubenssätzen werden bedient. Das ist okay und wahrscheinlich ganz normal. Aber genau deswegen ist Erdung für mich so wichtig.
Dabei versuche ich mich immer wieder daran zu erinnern, dass es da noch mehr gibt. Dass meine Gedanken nicht alles sind und schon gar nicht immer die Wahrheit. Ich schaffe mir kleine Momente der Achtsamkeit, in denen ich mich aktiv aus diesem Strudel herausnehmen kann.
Dafür braucht es keine groß geplante Aktivität, keinen speziellen Yogaflow oder eine bestimmte Umgebung. Erdung kann für mich in kleinen Momenten stattfinden. Aber sie muss bewusst geschehen. Ich nehme wahr, dass ich im Außen bin, unausgeglichen, gestresst, vielleicht sogar in einer Angst stecke. Und dann erinnere ich mich an die Erdung. An meine Verbindung mit Allem. Denn ich und du und wir alle, sind Teile eines Ganzen. Sind das Ganze. Mich daran zu erinnern, mir einen Anker zu setzen, bewusst zu atmen oder einen bestimmten Gegenstand oder ein Lebewesen zu berühren, erdet mich. Ich spüre, wie sich Ruhe in mir ausbreitet, eine Gelassenheit. Ich kann meine Gedankenstrudel abgeben, kann sie loslassen und mich mit etwas Größerem verbinden.

Dran bleiben, aber wie?
Diese Momente zu schaffen, mich daran zu erinnern, wenn ich gerade mitten drin stecke im Karussell, das ist für mich die Herausforderung. Da gehört viel Übung dazu. Und noch zwei Tricks, die ich anwende: Routine und Erinnerungshelferchen. Ich habe eine Abendroutine bei der ich dann also spätestens vorm Schlafengehen nochmal in die Erdung gehen kann, bzw. zumindest daran erinnert werde. Und ich habe Gegenstände und Sätze in meinem Leben (in meinem Zimmer) verteilt, die mich daran erinnern. Wenn mein Blick im Alltag daran vorbeischweift, dann erinnere ich mich und nehme mir die Zeit für einen tiefen Atemzug. Ein kurzes Innehalten. Einen Moment der Erdung.
Praktische Vorschläge, um dich zu erden
Wenn du das Bedürfnis nach Erdung verspürst, oder es einfach mal ausprobieren willst, dann suche dir gerne etwas aus und schau‘, was für dich funktioniert.
- einen Spaziergang machen
- in die Natur gehen und die Umgebung oder Teile davon ganz bewusst und genau wahrnehmen
- die Ausatmung verlängern, lasse sie länger werden als die Einatmung
- tief und bewusst durch die Nase ein- und den Mund ausatmen, dabei die Augen schließen
- barfuß die Erde berühren und sie unter deinen Sohlen spüren
- einen Baum oder eine andere Pflanze berühren oder umarmen, verbinde dich
- auf den Boden legen und tief atmen. Spüre, wie du getragen wirst (im Haus oder gerne auch in der Natur)
- ein Tier bzw. ein anderes Lebewesen streicheln
- dich in Gedanken mit der dich umgebenden Welt verbinden, mit dem Universum, dir bewusst machen, dass alles verbunden ist und du ein Teil davon bist
- Dinge aufzählen, für die du dankbar bist (auch eine Sache ist völlig ausreichend)
- die Augen schließen und dein Herz berühren
- bewusst eine Tasse Tee genießen
- bewusst wahrnehmen, wo dein Körper in diesem Moment den Boden berührt. Wenn du magst, kannst du dir vorstellen, wie dort Wurzeln von deinem Körper in die Erde reichen und dich fest verankern.
Erdender Yogaflow
Manchmal tut es gut, mich mit einer Intention für Erdung auf die Matte zu begeben und meinen Körper mit Atmung und Geist in Einklang zu bringen. Genau hierfür habe ich einen kurzen Yogaflow aufgenommen. Wenn du also gerne in angeleiteter Bewegung zur Ruhe kommen möchtest, dann mache gerne gemeinsam mit mir Yoga. In diesem Video spüren wir bewusst in den Körper und in die Verbindung zwischen Körper und Erde hinein. Wie fließen Atmung und Bewegung ineinander? Wie kann Stabilität aus der Verwurzelung über die Füße mit der Erde entstehen? Wie kann ich einfach bei mir sein und meiner Verbindung mit der Erde, mit dem Ganzen?
Wenn du magst und die Möglichkeit hast, dann mache den Flow gerne barfuß und draußen. Alles findet im Stehen statt, sodass keine Unterlage benötigt wird.
Ich wünsche dir viel Spaß und ein entspanntes Loslassen und Hingeben!

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