geschrieben von Elsa
Seit zwei Monaten wohnen wir jetzt in einer Gemeinschaft. Und mit „wohnen“ meine ich, so richtig eingezogen. Mit all unseren Sachen, die wir wieder zusammengesammelt haben, von den lieben Menschen, bei denen wir sie für fast 1,5 Jahre unterstellen durften. Auch mental ist es jetzt ganz anders, als nur mal für ein paar Wochen irgendwo zu sein, mit Ablaufdatum.
In meinem Kopf sind wir jetzt erstmal hier, für mindestens ein Jahr, und schauen, wie es sich anfühlt, eben so richtig Teil zu sein. Welche Herausforderungen warten da auf uns, auf mich? Welche Möglichkeiten ergeben sich? Welche Beziehungen wachsen und wo lernen wir dazu? Wo ist es nicht so einfach wie gedacht und wo schlagen wir vielleicht gemeinsam eine ganz neue Richtung ein? Wo und wie können wir mitgestalten, wenn wir jetzt so richtig da sind?
Das sind alles Fragen und Überlegungen, die mitschwingen. Und auf die ich richtig gespannt bin! Denn zumindest bei mir fühlt es sich jetzt schon nach den ersten Wochen ganz anders an als vorher. Ohne diese Aussicht, bald sowieso wieder weg zu sein, und sowieso nur von der Seitenlinie reinzuschnuppern, komme ich hier ganz anders an. Ich bringe mich ganz anders ein, bin ganz anders an den Themen, die so aufkommen, interessiert. Und das ist toll. 🙂
Jetzt bin ich also Greifensteinerin. Klingt irgendwie cool, ich wohne mitten im Wald und habe eine Burg um die Ecke. „Mein Haus“ ist riesig, hat bestimmt 20 Zimmer, eine eigene Kapelle, Meditationsraum und Festsaal. Wie verrückt ist das denn bitte? Viel vom Gemüse kommt direkt aus dem Garten, auf den ich von meinem Fenster und unserer riesigen Terrasse drauf schaue. Die neue Yogaplattform am See lädt zum Bewegen und Ausruhen ein. Und die Menschen, die auch hier wohnen, freuen sich, dass wir da sind. Ziemlich idyllisch – auf der einen Seite. Auf der anderen sehen wir hinter jeder Ecke eine neue Aufgabe, hier muss mal gestrichen werden und dort ist die Lampe kaputt. Wie warm es in unseren Zimmern im Winter noch sein wird, gilt es mutig herauszufinden. Und wie wir uns hier fühlen, wenn es draußen wieder grau und kalt und ungemütlich ist, ist auch noch offen.
Aber trotzdem blicke ich sehr positiv auf diese Zeit und auf diesen Ort. Es fühlt sich gerade so an, als dürfte ich ankommen, ich bin willkommen, und alles weitere, das zeigt sich dann schon. Und sollte es, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht gut werden, dann packen wir eben wieder zusammen und ziehen weiter.
Erstmal aber ist ankommen angesagt! Ein Leben aufbauen, wie es so schön heißt. Das bedeutet neben dem Ort zum bleiben, den wir ja jetzt im Waldhof erstmal gefunden haben, auch schauen, wie wir Geld verdienen. Für mich heißt das, ab September nach Frankfurt pendeln und mich wieder im Ökolandbau in Deutschland engagieren. Ich freue mich irgendwie total drauf und bin gespannt, wie es wird. Auf jeden Fall erstmal eine große Umstellung, von diesem sehr floaty freien hin zu einer fest getakteten 4-Tage Woche. Aber auch spannend, nicht nur thematisch wieder einzusteigen, sondern meine weiterentwickelten Skills einzubringen und als Neue Alte meinen Platz zu finden.
Daniel möchte sich im Bereich nachhaltige Energie einbringen und streckt gerade die Fühler in alle Richtungen aus.
Kommentar von Daniel
Gern schreibe ich dazu auch noch ein paar Zeilen. Wie schon gesagt bin ich aktuell dabei auch beruflich meinen Lebenswandel durch zu ziehen und einen Job im Bereich der erneuerbaren Energieversorgung zu finden. Mein Coaching-Projekt liegt erstmal auf Eis, denn der Waldhof und seine unzähligen Aufgaben sowie die Jobsuche spannen mich genug ein.
Trotz der vielen Aufgaben kommen wir hier gut voran und ich habe endlich das Gefühl, hier ankommen zu können und nicht mehr das Gefühl zu haben, irgendwie an meinem Leben vorbei zu leben. Das ist wirklich eine große Veränderung zu meiner Situation vor der Reise.
Jetzt muss es nur noch mit dem Job klappen und dann ist es Zeit sich hier im Alltag sesshaft und gemütlich einzurichten :). Und wir wohnen nun als kleine Kerngemeinschaft zusammen in einer WG, was auch richtig schön ist. Da merke ich wieder, wie sehr mir diese Art des gemeinsamen Wohnens zusagt und mich bereichert. Ich bin so häufig dankbar für mein tolles Leben, ohne dafür viel besitzen oder haben zu müssen. Es ist einfach toll mit so coolen Menschen gemeinsam etwas zu entwickeln – und der Waldhof ist weit und breit auch das kühnste Projekt überhaupt 😀 Wir haben uns also was vorgenommen.
Außerdem bleibe ich meiner Natur-Linie treu und wohne nun nicht mehr nur Nahe an einem Wald, sondern mittendrin. Sobald man das Gelände verlässt ist man mitten im Wald, was ich wirklich toll finde!
Ich versuche auch spirituell „am Ball“ zu bleiben und mich immer wieder daran zu erinnern, dass das Leben dazu da ist meinen sinnvollen Teil zur Welt beizutragen anstatt mich zu viel um mich selbst und mein kleines Leben zu kümmern und das Glück in Aktivitäten zu suchen, die sich auf Spaßmaximierung beziehen. Das hilft mir total, meine Unsicherheiten und Banalitäten einzuordnen und unseren Weg, den Elsa und ich mutig vor bald 1,5 Jahren begonnen haben, weiter zu gehen.
Kurzum geht es mir gut und ich blicke gespannt auf den Winter, denn der soll hier nicht ganz ohne sein (altes Haus, schlechte Heizung), aber gleichzeitig ist auch die Filmeliste schon lang und wir werden sicher das Beste draus machen, denn mit den besten Menschen kann es gar nicht schlecht werden 🙂
Also dann, auf in die Zukunft!


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