Vorläufiges Fazit zu Dru

geschrieben von Daniel

„Nächster Halt: Aachen Hbf“ kommt die sanfte Stimme aus dem Lautsprecher des ICE. Es ist soweit. Ich nehme Elsa nochmal fest in den Arm und steige aus, auf dem Weg nach Hause. Auf dem Bahnsteig bekomme ich nochmal ein kurzes Gefühl von Abschied und Melancholie, bevor die Nachricht über die Verspätung meines Anschlusszuges mich dann wieder in die Realität deutscher Bahnreisen hineinzieht.

Wir sind also wieder Zuhause nach unserem Aufenthalt in Dru – Zeit zu reflektieren wie es war und was dieser Aufenthalt mit uns gemacht hat.

Die „rationalen“ Fakten

Wir haben uns während unseres Aufenthaltes in Dru auch einige rationale Fragen gestellt, um nicht zwischen all der Herzlichkeit und den ganzen Emotionen den gesunden Blick auf die Realität zu verlieren, der nötig wird, wenn wir uns ernsthaft fragen, wo wir den Rest unseres Lebens verbringen wollen. Das sind zum Beispiel Fragen nach einer beruflichen Perspektive oder der Übereinstimmung der Vision vor Ort mit unserer Idee eines sinnvollen Lebens.

Während wir reflektiert und nachgedacht haben durften wir aber feststellen, dass uns die Gemeinschaft in Dru vor allem sehr positiv überrascht hat, und zwar auch was die eher rationalen Überlegungen anging. Größere Probleme würde es sicherlich geben, wenn es tatsächlich um die Einreise und Aufenthaltsgenehmigung geht, da Großbritannien sich gerade ein wenig von der Welt abschottet.

Ansonsten waren wir aber auch von der Art und Weise, was Leben und Arbeiten der Menschen vor Ort angeht sehr angetan. Da wir aufgrund gesetzlicher Vorgaben leider nicht wirklich mitarbeiten durften, sondern vor allem das Gemeinschaftsleben erfahren haben, haben wir natürlich eher einen Seitenblick erhascht, aber eine Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Business, dass weniger Wert auf den Businesserfolg als auf das Wachstum der Menschen legt – das ist schon mehr als ich zu hoffen gewagt habe.

Und so viele engagierte Menschen, die für eine Sache leben und arbeiten, das war auch wirklich toll. Da würden Elsa und ich ganz bestimmt unseren Platz finden. Außerdem bietet Dru eine tolle Verbindung aus spirituellem Wachstum und weltlichen Dingen, da sie den Kontakt zur Außenwelt wahren, ohne in einer Art Bubble zu leben, die irgendwann zusammenbricht, weil niemand mehr außerhalb überlebensfähig ist.

Die Menschen dort sind sich durchaus dem schnellen Wandel in der Welt bewusst und haben dort als erstes online-Yogastudio in Wales auch immer einen Bezug zu neuen Entwicklungen und zu moderner Technik und Arbeitsweise – quer durch alle Generationen vor Ort.

Wir haben das Gefühl, dass eine Trennung von Arbeit und Vision dort nicht nötig ist, da leben und arbeiten im Sinne des Work-Life-Blending ganz gut ineinanderfließen. Die Gefahr ist hier vermutlich eher eine Überarbeitung der Einzelpersonen, denn so eine Verbindung kann natürlich auch schnell zu Überforderung führen, wenn man sich für seine Vision „verbrennt“. Denn auch in Dru gilt natürlich immer: Es gibt mehr Arbeit als man tun kann und daher ist Eigenverantwortung sehr wichtig. Wieder eine schöne Möglichkeit sich selbst kennen zu lernen und zu wachsen 🙂

Was das Geld verdienen angeht hatten wir das Gefühl, dass es sich eben um einen Ashram handelt, wo man mit dem lebt was man braucht ohne groß was anzuhäufen. Dadurch werden in mir zwar wieder meine finanziellen Ängste getriggert, aber was ich dort auch gelernt habe ist: „Wenn du gibst, dann wird es immer Leute geben, die dir zurückgeben“ und „Habe Vertrauen in Menschen, nicht ins Geld“.

Wenn man nicht viel braucht zum Leben, hat man eben auch mehr Möglichkeiten wenn man nicht reich ist. Und damit kommen wir auch schon zu unserem emotionalen Fazit:

Was für Herz und Seele

„Ich habe mich im Leben immer mehr auf die Menschen um mich herum verlassen als auf das Geld. Und wenn ich wirklich was gebraucht habe, dann war auch immer jemand da, der mir was gegeben hat“. Dieses Zitat (ich kann mich an den genauen Wortlaut nicht mehr erinnern) von einer Dru-Bewohnerin hat mir einmal mehr gezeigt, dass ich noch nicht wirklich erfassen kann, was es heißt, sich wirklich auf andere Leute zu verlassen.

Ich weiß nicht woran es liegt, aber bei Absicherung und Finanzen habe ich immer noch das Gefühl, dass ich da auf jeden Fall allein durch muss. Muss ich das? In Dru haben mir Menschen einmal mehr ins Gesicht gesagt, dass ich das auf jeden Fall nicht muss. Das hat mich sehr herausgefordert und gleichzeitig aber auch sehr erleichtert. Kann ich das wirklich glauben? Oder ist „sicher ist sicher“ doch das bessere Motto?

Ich habe auf jeden Fall gelernt, was für eine Kraft eine Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Vision hat und wie viel Vertrauen ich auch in andere Menschen haben kann. Und das mag naiv klingen, und ich glaube es ist auch nötig, dass man da etwas naiv ist, denn nur dann kann man überrascht werden, wie sehr manch anderer für einen in die Bresche springt, wenn es mal ernst wird.

Ich habe in Dru auf jeden Fall gelernt, mehr Vertrauen in andere Menschen, in das Universum, in Gott (gibt es da einen Unterschied?) und in unser Vorhaben zu haben. Dass es uns dorthin führen wird, wo wir hin gehören und dass wir uns dort ein Leben aufbauen können, in dem es uns an nichts fehlt, wir nicht viel brauchen und wo wir glücklich sein können. Das hat mir sehr viel inneren Frieden gegeben – danke Dru!

Weiterhin habe ich mich auch spirituell weiterentwickelt und durch das Studieren der Bhagavad Gita, das Üben verschiedener Yoga-Praktiken, Unterhaltungen und Meditation erfahren, wie ich mich mit dem Göttlichen in mir verbinden kann. Und wie ich die Kraft, die aus dieser Verbindung entsteht, einsetzen kann, um in der Welt zu wirken. Ich habe gelernt, was es bedeutet mein Tun als einen Dienst an etwas „Höheres“, etwas Göttliches, zu widmen und mich frei von dem Ergebnisdruck zu machen. Ich tue alle Dinge so gut ich es kann und schaue einfach, wie das Ergebnis ist. Ich bin davon aber nicht abhängig. Dadurch brauche ich weder Vergleich noch Stolz, Sieg, Niederlage, Scham etc. zu fürchten sondern kann einfach frei sein. Mir hat das sehr geholfen 🙂

Auch was das Ausdrücken von Wertschätzung angeht habe ich einiges gesehen und gelernt, was mein Herz ganz tief berührt und mit Wärme und Verbindung aufgefüllt hat. Wer immer das Beste im Anderen sieht, der kann ohne Vorurteile an eine andere Person herangehen und besitzt die Fähigkeit, durch die Verhaltensweisen, Freuden, Leiden und Fehler der anderen hindurch zu sehen und den wahren Kern, die Seele, zu sehen. Die Seele, die eine Aufgabe hat und die Verbindung sucht, egal wie (schwierig) der Mensch, der beseelt ist, dieses Bedürfnis ausdrückt. Ich glaube, dass das auch eine der größten Herausforderungen der Menschheit ist, aber gleichzeitig auch das wichtigste Entwicklungspotential. In einer Welt, wo Leute in Medien in Stücke gerissen werden, weil niemand die Seele des Anderen sieht, sondern das Verhalten, die Sprache oder die Gewohnheiten und Werte angreift.

Auch für mich ist es unglaublich schwer, die Emotionen, die Menschen an mich herantragen durch alles, was sie tun und sagen, beiseite zu legen. Doch nur so können wir die Seele anderer Menschen sehen und lieben, denn sie ist auch ein Teil von uns. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich jemals so weise und gefasst sein kann, finde ich es dennoch schön, diese Vorstellung jetzt in meinem Herzen zu tragen und mich zumindest Zeit meines Lebens nach diesem Optimum auszustrecken.

2 Antworten zu „Vorläufiges Fazit zu Dru“

  1. […] Und los ging es: mit 6 Wochen Dru in Wales. Was für ein Einstieg. Was für eine Zeit. (Hier geht´s zu den Artikeln von damals: Willkommen bei Dru, Vorläufiges Fazit zu Dru) […]

    Like

  2. […] der Reise die absolut wunderbarste Zeit hatten – mehr darüber lesen kannst du HIER und HIER. Dieser Aufenthalt verschob sich aber bis auf Ende Februar und plötzlich hatten wir fast zwei […]

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Ein halbes Jahr unterwegs – Einfach mal los! Antwort abbrechen

Einfach mal los!

Wir machen uns auf die Suche nach unserem Platz in der Welt.

folge uns auf unserem Instagram-Kanal

Proudly powered by WordPress

Datenschutzerklärung & Impressum