Ökodorf und Gemeinschaft Sonnenwald

geschrieben von Daniel

Weiter geht’s auf unserer Reise durch die Welt der Ökodörfer und Gemeinschaften, auf der Suche nach Inspiration und einem Platz zum Leben.

Unser zweiter Stop (Der erste war in Dru – hier gehts zum Artikel) führt uns in den wunderschönen Nordschwarzwald, nach Schernbach. Hier lebt die Gemeinschaft Sonnenwald (Gemeinschaft Sonnenwald) auf einer Anhöhe, direkt über der Nagold-Talsperre. Umgeben von Wald und Feld finden wir uns hier mitten auf dem Land wieder, ungefähr 15 Minuten entfernt vom nächsten Bahnhof und ca. 20 Minuten von der nächstgrößeren Stadt – Freudenstadt.

Einmal mehr merke ich hier wie sehr vor allem der Wald mich berührt und wie gut es mir tut im Wald zu spazieren und dort meinen Gedanken nachzuhängen oder auch einfach nur dieses wunderbare Ökosystem zu erleben.

Auch wenn der Wald hier natürlich wirtschaftlich genutzt wird, empfinde ich ihn doch als sehr schön und lebendig – allzu intensiv wird er wohl nicht genutzt.

Die Gemeinschaft hat hier ein altes Diakoniegebäude gekauft, in dem damals Menschen mit Behinderung gelebt und gearbeitet haben. Das Gelände ist sehr groß und außerdem gehören noch ein Hof und einige Hektar Land dazu. Es leben aktuell so um die 80 Menschen in der Gemeinschaft (plus allerlei Helfer und Azubis in der Landwirtschaft) und jede/r Bewohner/in packt unabhängig vom Haupterwerb einige Stunden in der Woche mit in den Projekten der Gemeinschaft an, um Gelände und Gewerbe am Laufen zu halten und Projekte umzusetzen.

Zu vielen erwähnten Punkten haben wir die Homepage der Gemeinschaft in Klammern verlinkt, schaut dort gern vorbei um einen besseren Eindruck zu bekommen!

Inhaltsverzeichnis

Die Vision

Die Vision der Bewohner der Gemeinschaft Sonnenwald ist es, so ökologisch wie möglich in einer blühenden Gemeinschaft zu leben (Vision – Unser Menschenbild und neue Kultur des Miteinanders). Dazu gehört sowohl der Aufbau einer nachhaltigen und regenerativen Landwirtschaft nach Permakulturprinzipien sowie eine menschenzentrierte Gemeinschaft, in der die Bewohner im Einklang mit sich selbst und der Natur Leben können. Es gibt hier einen Lernort (Veranstaltungen für die Welt von morgen), in dem es allerlei Seminare zu Themen wie Achtsamkeit und gesundes Leben (physisch und psychisch) gibt, der dazu beitragen soll die erworbenen Kenntnisse funktionierender Lebensgemeinschaften nach Außen zu tragen.

Wir haben festgestellt, dass die Realität und die Vision in Gemeinschaften häufig auseinanderklaffen, was auch hier der Fall ist. Natürlich menschelt es überall und neben all den Dingen wie Geld verdienen, Kinder erziehen und sonstigen alltäglichen Dingen muss auch noch Energie für das aktive Gemeinschaftsleben da sein. Selbst uns ohne Kinder kommt das einfach sehr viel vor und dennoch finde ich es wunderbar, dass die Menschen hier sich so ein ambitioniertes Ziel gesetzt haben.

Der Seminarbetrieb ist aktuell noch weiter im Aufbau und viele Dinge kommen gerade aus den Kinderschuhen und wollen weiterentwickelt werden. Da kommen wir gerade Recht und versuchen überall mit anzupacken, wo es irgendwie geht, um die Vision eines nachhaltigen gemeinschaftlichen Lebens an diesem Ort voran zu bringen.

Die Landwirtschaft

In der Landwirtschaft wird hier sowohl eine biologische Milchwirtschaft betrieben, die die Gemeinschaft mit allerlei Molkereiprodukten versorgt (durch eine eigene Käserei), als auch Schweine und Hühner gehalten, die hin und wieder Fleisch auf den Teller bringen.

Auch wenn das ganze System der Viehhaltung ethisch auf jeden Fall nicht unbedenklich ist habe ich den Eindruck, dass hier zumindest sehr viel Wert drauf gelegt wird, dass es den Tieren Zeit ihres Lebens gut geht. Es gibt viel Platz, Kälber und Kühe werden viel später voneinander getrennt, es gibt keine überfüllten Ställe und die Schlachtung findet direkt vor Ort statt, sodass der Transport ins Schlachthaus und das damit verbundene Leid und der Stress wegfallen.

Weiterhin wird ein Gemüsegarten (sog. Market Garden) betrieben, wo allerlei Gemüse angebaut wird. Dieser Garten ist sehr divers bepflanzt und nach dem Permakulturprinzip aufgebaut. Er wirkt bunt und voller Leben, was im Gegensatz zu den umliegenden konventionell genutzten Flächen mit Monokultur wie eine Oase der Farben, Formen und Lebendigkeit wirkt. Hier wird ebenfalls am Agroforst-Prinzip geforscht und die Beete und Ackerflächen sind immer wieder von Baum- und Strauchreihen durchzogen, wo Beeren und Baumfrüchte sowie Wertholzbäume sich abwechseln.

Alles wirkt gut durchdacht und es gibt Platz für viele Visionen und Träume, denn die Gemeinschaft und die Landwirtschaft gibt es erst seit ca. 3 Jahren und bis alle Bäume gewachsen und alle Flächen optimal genutzt sind dauert es einfach noch.

Ich stelle fest, dass ich mir ein Ökodorf auf jeden Fall so vorstelle wie hier, zumindest was den Garten und die Landwirtschaft angeht. Es ist sicher noch nicht alles perfekt genutzt und perfekt ökologisch, aber der Wille ist auf jeden Fall da und ich erkenne so viele gute Verbesserungen im Gegensatz zur typischen Monokultur, dass ich das Gefühl bekomme hier an einem Ort zu sein, wo wirklich etwas verändert wird – und wenn man all das tolle Gemüse aus dem Garten isst und mit anpackt dann ist es ein tolles Gefühl Teil von etwas Sinnvollem zu sein.

Mehr Infos zum Hof und zum landwirtschaftlichen Konzept findet ihr hier: Bioland-Hof Sonnenwald für regenerative Agrikultur. Reinschauen lohnt sich!

Elsa ist aktuell Teil vom Agroforst-Team und hilft mit bei der Pflege der Bäume und Sträucher. Momentan gibt es auch ganz viel zu ernten und die Gemeinschaft freut sich über Unmengen an Beeren und anderer Leckereien.

Kommentar von Elsa:

Für mich ist der Aufenthalt in der Gemeinschaft hier noch zusätzlich ein Experiment auf anderer Ebene gewesen. Ich wollte herausfinden, wie ich an einem Ort mit Landwirtschaft mit Tierhaltung leben kann, bzw. damit umgehe / wie es mir damit geht.

Ziemlich schnell hat sich für mich herausgestellt, dass ich persönlich damit nicht leben möchte. Gleich in der ersten Woche am Platz wurden Kälber von ihren Müttern getrennt und die Rufe der Kühe haben den Alltag begleitet. Zusätzlich wurden die zwei Schweine, die die Küchenabfälle und Molke aus der Käserei verwerten, geschlachtet, genauso wie eine der Milchkühe.

Wie Daniel beschrieben hat, ist die Tierhaltung hier relativ vorbildlich und mit Sicherheit mit sehr viel weniger Tierleid verbunden, als anderswo. Dennoch steht für mich fest, dass ich an keinem Ort leben möchte, der aktiver Teil dieses Konzeptes ist, an dem Tierhaltung zum Lebensunterhalt beiträgt. Ich möchte das nicht unterstützen, bzw. ein Teil davon sein.

Daher ist nun immerhin klar geworden, dass wir die weiteren Gemeinschaften auch nach diesem Aspekt aussuchen werden.

Die Gebäude

Mit den Gebäuden hat sich die Gemeinschaft auf jeden Fall eine große Aufgabe vorgenommen, denn das Diakoniegelände umfasst ca. 8000 m² Innenfläche, was gewaltig ist.

Die Gemeinschaftsmitglieder wohnen in großen WGs im Haupthaus der Diakonie sowie drei angrenzenden Gebäuden. Dazu gibt es noch ein großes Werkstattgebäude und ein Gebäude mit Kantine, Turnhalle und weiteren Räumen, wo Hausmeisterei, die Versammlungen, das gemeinsame Essen, die Seminare, etc. stattfinden.

Der Komplex wurde in einem einigermaßen guten Zustand übernommen, aber ich merke, wie viel Arbeit es einfach macht Gebäude erstmal nur instand zu halten. Die ökologische Sanierung kommt dann noch oben drauf. Ein neues, ökologisches Heizungskonzept (aktuell Öl), Solarpaneele (schon umgesetzt), neue Leitungen etc. sind alles Punkte und Projekte, die hier noch anstehen. Wenn das mal alles geschafft ist, dann haben die Menschen hier auf jeden Fall einen tollen Ort gefunden und sind ein super Beispiel wie gemeinschaftliches und nachhaltiges Leben funktionieren kann.

Ich bin aktuell im Bau-Team und unterstütze bei den Arbeiten, die in der Instandhaltung anfallen. Vielleicht habe ich auch die Chance noch bei richtigen Projekten anzupacken und mit zu konzeptionieren, mal sehen 🙂

Die Gemeinschaft

Auch hier vor Ort hat die Gemeinschaft eine Struktur, die für Ökodörfer in Deutschland typisch ist. Der Grundbesitz gehört einer Genossenschaft, in der alle Gemeinschaftsmitglieder teilhabend sind. Durch Mieten wird der Kredit abbezahlt und die Sanierung und andere Projekte finanziert. Ein Förderverein sucht nach Förderungen und finanzieller Unterstützung. Der Garten wird durch eine Solawi finanziert und Entscheidungen werden soziokratisch im Konsent getroffen.

Das allein macht schon einiges an Arbeit und die Menschen im Vorstand leisten sehr viel, um dieses Projekt nicht nur am Leben zu halten, sondern auch zum blühen zu bringen. So etwas macht man nicht aus finanziellen Gesichtspunkten (man kann hier selten mehr als den Mindestlohn verdienen), sondern aus Überzeugung. Das beeindruckt mich und ich merke, dass ich mir sowas gut vorstellen kann.

Aktuell haben wir das Gefühl, dass die Gemeinschaft nach der anfänglichen Euphorie in einem Prozess des Wiederfindens der Vision und der gemeinsamen Kraft steckt. Deshalb gibt es neben all der Orga auch Prozesse für Gemeinschaftsbildung und Organisationsentwicklung.

Nach allem, was wir nun schon über Gemeinschaften gelernt haben ist es ganz natürlich, dass man sich immer mal wieder neu finden und neu orientieren muss. Die Menschen müssen wieder in Verbindung mit der Vision kommen und die daraus entstehenden Kräfte wollen sinnvoll genutzt werden. Dazu werden nicht selten auch externe Berater/innen angefragt und in die Gemeinschaft gebracht. Das kommt mir alles genau so vor wie in einer Firma, in der diese Prozesse auch ganz normal sind.

Es ist auf jeden Fall sehr spannend zu sehen und mitzuerleben, wie der Sonnenwald funktioniert und erblüht und wir helfen so gut es geht, dieses Projekt weiter zu bringen!

Vielen Dank lieber Sonnenwald, dass wir hier sein können!

Bis bald und danke fürs Lesen 🙂 Uns geht es gut und wir freuen uns auf alles, was noch so auf uns zukommt!

Und auch hier gilt natürlich wieder: Wenn ihr gern Teil des Wandels sein wollt dann unterstützt die Gemeinschaft Sonnenwald, indem ihr praktisch mit anpackt (Mithelfen – Gemeinschaft Sonnenwald) oder Teil des Fördervereins werdet bzw. spendet! (Spenden – Gemeinschaft Sonnenwald) Euer Geld kann in der heutigen Zeit vermutlich kaum besser aufgehoben sein 🙂 Danke!

2 Antworten zu „Ökodorf und Gemeinschaft Sonnenwald“

  1. HI, NATAURALLY WE ARE ALL SINNERS BUT IT IS STUNDEN NICHT SUNDEN THAT WE IM WALD ANPACKEN.

    Like

  2. […] zu Dru, aber auch hier mit vielen Lernerfahrungen und Begegnungen verbunden. (Artikel dazu: Ökodorf und Gemeinschaft Sonnenwald, Vorläufiges Fazit zum […]

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Ein halbes Jahr unterwegs – Einfach mal los! Antwort abbrechen

Einfach mal los!

Wir machen uns auf die Suche nach unserem Platz in der Welt.

folge uns auf unserem Instagram-Kanal

Proudly powered by WordPress

Datenschutzerklärung & Impressum