Vorläufiges Fazit zum Sonnenwald

geschrieben von Elsa

Schon wieder sind sieben Wochen um. Im Rückblick verging diese Zeit so schnell. Und es ist so viel passiert, so viel los gewesen. Nicht nur im Außen, sondern auch im Innen. In mir ist viel passiert, es gab Ups und Downs. Das gibt es immer, aber hier hat es sich besonders intensiv angefühlt. Sieben volle Wochen. Sieben Wochen voller Erfahrungen.

Was nehme ich – was nehmen wir – jetzt mit aus dieser Zeit?

Ein „Ja“ für Gemeinschaft

Der Aufenthalt hier hat viele Prozesse angestoßen und Themen gezeigt. Besonders bei mir. Das Zusammenleben in einer zusammengewürfelten WG, mit sich ändernder Zusammensetzung von sechs bis elf Menschen, ist herausfordernd, spannend, lustig, anstrengend und noch viel mehr. Fragen, die sich da für mich stellen: Wie kann ich mir hier meinen Raum nehmen? Wie und wohin kann ich mich zurückziehen? Wie meine Grenzen aufzeigen? Andere Meinungen aushalten und akzeptieren? Wie kann ich in diese Gruppe hineinfinden?

Das sind spannende Fragen und sehr anstrengende. Und wichtige, wenn es ein Leben in Gemeinschaft werden soll. Ich bin hier oft aus meiner Komfortzone gekommen, manchmal auch an meine Grenzen gestoßen. Das ist ein starker Kontrast zu drei Jahren alleine wohnen und etwas Zeit zu zweit. Und trotz all der Dinge, die ich eher als „negativ“ oder eben anstrengend, schwierig, nervig betiteln würde, habe ich in der letzten Woche hier immer wieder gespürt, dass ein Leben in Gemeinschaft vielleicht tatsächlich etwas für mich sein könnte. Nicht hier. Nicht in einer so großen Gemeinschaft, zumindest nicht in dieser. Und nicht in dieser Wohnsituation. Aber generell eben schon. Wie spannend und welche Erkenntnis!

Ein „Nein“ oder definitiv „Noch nicht“ zum Sonnenwald

In der Gemeinschaft hier haben wir uns für die begrenzte Zeit wohl gefühlt. Für mich war insbesondere die Arbeit draußen sehr schön. Ich habe einiges gelernt, das Arbeitsumfeld wertgeschätzt und die Arbeit mit den Bäumen genossen. Aber wenn ich mir vorstelle hier zu bleiben, hier zu wohnen, dann fehlt mir etwas. Der Einstieg in die Gemeinschaft als „Helfi“ ist schwer, das ist auch okay, aber gibt vielleicht schon einen Vorgeschmack auf ein echtes Ankommen hier. Es zeigen sich Themen, an denen die Gemeinschaft gerade arbeitet, bzw. arbeiten muss, wenn es erfolgreich weitergehen soll. Hier stellt sich also aktuell die Frage: Wollen wir in so einen Prozess einsteigen? In alte Konflikte gezogen werden? Oder könnte es gerade spannend sein, jetzt etwas Neues aus dem bröckelnden Alten mitzugestalten?

Zudem ist nicht nur die Gemeinschaft sondern auch dasProjekt sehr groß. Ein großes altes Diakonie-Gebäude, ein Hof, Werkstätten, Turnhalle… So viel alte Bausubstanz, die renoviert und genutzt werden will. Einige Ideen gibt es, die Umsetzung geht schleppend. Viele Stimmen wollen gehört werden, viele Ideen prallen aufeinander und viel Arbeit und Motivation und nicht zuletzt Geld wird gebraucht.

Für uns kommt diese Gemeinschaft aus unterschiedlichen Gründen also aktuell nicht in Frage. Dennoch haben wir großen Respekt vor dem was im Sonnenwald geschaffen wird und sind sehr dankbar, dass wir für diese begrenzte Zeit daran teilhaben durften. Im nächsten Jahr wollen wir uns auch erstmal auf kleinere Gemeinschaften konzentrieren. Mal reinschauen und -spüren, wie es in einer Gruppe von 20-30 Menschen so abläuft.

Schöne Erkenntnis zum Schluss

Und trotzdem gibt es eine wunderbare Erkenntnis am Ende dieser sieben Wochen: Ganz zum Schluss, kurz vor unserer Abreise ging es auf Verabschiedungstour. Und das war so schön. Mir ist bewusst geworden, wie viele besondere Menschen wir hier kennengelernt haben. Manche, die im Sonnenwald wohnen, manche, die hier immer wieder vorbeikommen und manche, die so wie wir eher auf der Durchreise sind.

Sehr unterschiedliche Menschen, sehr freundliche, sehr besondere. Das nehme ich auf jeden Fall mit. Bisher haben wir an jedem Ort besondere Menschen kennengelernt. Das macht mir Mut. Denn am Ende ist es nicht der Ort oder die Arbeit, die eine Gemeinschaft ausmachen. Sondern die Menschen.

Kommentar von Daniel:

Elsa hat schon das Meiste gesagt, dennoch möchte ich auch noch etwas zum finalen Fazit beitragen:

Für mich waren diese 7 Wochen ebenfalls sehr lehrreich, habe aber zur aktuellen Situation Einzug / nicht Einzug das gleiche Fazit: Der Sonnenwald passt gerade nicht zu mir.

Da ich aber im WG-Zusammenleben an vielen Stellen eher aufgeblüht bin, durfte ich wieder feststellen wie schön es ist, mit anderen zusammen zu wohnen und immer wieder auch neue Menschen in der gemeinsamen Küche begrüßen zu dürfen.

Mit manchen war es ganz einfach in Kontakt zu kommen, mit anderen war es schwieriger. Da ist sowohl die WG als auch die Gemeinschaft am Ende nur ein Spiegel der Gesellschaft, wo es eben „funkt“, oder eben nicht.

In vielen Dingen habe ich hier auch einen realistischen Einblick bekommen was es bedeutet, eine Gemeinschaft zu gründen und auch zu erhalten, viel runder als der – zugegeben – anfangs romantische Blick auf das Thema. Also hat die Reise sich schon voll gelohnt!

Vielen Dank liebe Sonnenwäldler, die Zeit bei euch war schön und lehrreich und wir hoffen wir konnten auch viel zu eurem Projekt beisteuern.

Eine Antwort zu „Vorläufiges Fazit zum Sonnenwald”.

  1. […] Erstmal standen dann aber fast zwei Monate beim Hof Sonnenwald im Schwarzwald an, unterbrochen vom Ecovillage Gathering. Ein Kontrast zu Dru, aber auch hier mit vielen Lernerfahrungen und Begegnungen verbunden. (Artikel dazu: Ökodorf und Gemeinschaft Sonnenwald, Vorläufiges Fazit zum Sonnenwald) […]

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